Abenteuer Lernferien – Erfahrungsbericht von Miriam Boß





Montagmorgen, 8 Uhr. Es ist mitten in den Herbstferien, eigentlich würde ich noch schlafen. Aber nicht am 17.11.´16. Ich fahre nach Bielefeld in die Lernferien.

Die Lernferien, das ist eine Woche, in der sich interessierte Oberstufenschüler treffen, um sich mit einem bestimmten Thema zu beschäftigen, in meinem Fall war das „Zusammenleben mit verschieden Kulturen“. Nebenbei steht aber natürlich auch der Spaß im Vordergrund, auch wenn der Name das nicht vermuten lässt.

Doch als ich nach Bielefeld fuhr, hatte ich trotzdem ein mulmiges Gefühl. Jede Schule hat nur eine Person schicken dürfen und da die Teilnehmer aus ganz NRW stammen, war es ziemlich sicher, dass ich dort niemanden kannte. Zudem stellte ich mir die Frage: Würde ich mit den Leuten dort wirklich zurechtkommen?

Doch meine Sorge war unbegründet. Als ich ankam, stieß ich einfach in eine gemütliche Runde. Die üblichen Smalltalkthemen kamen auf. Es wurde sich über Hobbys und auch Lehrer ausgetauscht. Bevor das Seminar überhaupt begonnen hatte, sind wir schon zusammengewachsen. Wir, das war eine Gruppe von 16 Personen.

 

Als unser Seminar begann, wurden uns erst einmal unsere TeamerInnen vorgestellt. Diese waren jedoch keine spießigen Betreuer, sondern die beiden waren sehr sympathisch und diskutierten mit uns auf Augenhöhe.

Der erste Tag begann mit Kennenlernspielen und sogenannte erlebnispädagogischen Einheiten. Erlebnispädagogische Einheiten, das sind Spiele, die den Gruppenzusammenhalt stärken sollen.Und es funktionierte! Bei unserem reichhaltigen Abendessen kam es uns vor, als würden wir uns schon eine halbe Ewigkeit kennen. Wir diskutierten und lachten zusammen und das, obwohl wir uns weniger als zwölf Stunden kannten.

Abends wurde es dann auch thematisch interessant: Wir haben uns über unsere Definitionen von Begriffen wie „Heimat“ oder „Gesellschaft“ unterhalten. Nach diesem Abendworkshop hatten wir dann Freizeit und diese verbrachten wir zusammen, wie fast immer in dieser Woche. Ich bin stolz darauf zu sagen, dass wir niemanden ausgeschlossen haben.

 

Abgesehen von unserer tollen Gruppe und den schönen Abenden zusammen gab es aber auch andere Highlights:

Zum einem gab es praktisch alle zwei Stunden etwas zu essen und wenn dann jemand doch noch Hunger hatte, konnte der sich an einer Auswahl an Süßigkeiten bedienen – verhungert sind wir in der Zeit nicht- aber das eigentlich Tolle war das Programm:

Neben einem Poetry-Slam mit dem Slammer Quichotte und vorherigem Schreibworkshop waren wir auch bei der Zeitung „Neue Westfälische“ zu Besuch und haben uns mit dem Redakteur unterhalten. Wir hatten aber auch Referenten bei uns, mit denen wir uns über Themen wie „Islamophobie“ oder „Populismus“ ausgetauscht  haben.

Außerdem hatten wir noch eine Debatte mit drei Politikern über das Thema „Was tun gegen Rechtspopulismus?“ und obwohl wir nicht immer die Antworten bekamen, die wir wollten, war es eine neue Facette, die wir kennenlernen durften.

Dazu gab es verschiedene Methoden uns Eindrücke zu vermitteln, von denen ich mir wünsche, diese auch im Unterricht zu erleben, wie zum Beispiel das Begrüßungsspiel, bei dem wir uns gegenseitig mit -teilweise sehr exotischen Methoden- begrüßt haben, um zu erkennen, wie verschiedene Kulturen auf andere und auf uns wirken. Ein einfaches Prinzip – und doch hinterlässt es bleibende Eindrücke.

Besonders war für mich aber auch ein Besuch in einer Moschee , da ich bisher nur wirklich mit dem Christentum in Berührung gekommen war, eigentlich seltsam, wenn man sich anguckt, wie lange ich in Religion mir Vorträge über den Islam anhören musste.

Alle diese Eindrücke wurden nicht nur heiß am Esstisch diskutiert, sondern wurden auch noch einmal in einer Abschlussdebatte thematisiert: immer zwei Leute mussten sich über Thesen wie „Wir brauchen eine Flüchtlingsobergrenze“ oder „Die deutsche Kultur muss bewahrt werden“ streiten.

Dabei waren die Argumentationen nicht nur ernst, sondern teilweise auch zutiefst ironisch.

 

Und das war es, das Spaß gemacht hat: Eine Woche Austausch über interessante Themen mit tollen Leuten und viele lustige Momente.

Alles in Allem eine riesige Bereicherung. Und so blicke ich, nachdem es vorbei ist, mit Wehmut zurück, auf diese Woche voller Spaß und Zusammenhalt und wünsche mir, dass wir uns bald wiedersehen. Es war eine tolle Erfahrung und ich kann jedem nur raten, sich nicht von dem Namen abschrecken zu lassen. Und was man dazu sagen muss: Die Lernferien kosten nichts,außer die eine Woche und den Bericht, den ich gerade schreibe. 🙂

Deswegen kann ich mich nur für die tolle Zeit bedanken.

von Miriam Boß

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